Agentur für Freundlichkeit | Tanja Baum GmbH
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Journal für die Frau, 6/2004

Durchsetzen – aber bitte recht freundlich


Gehen Sie Konflikten eher aus dem Weg, anstatt beherzt Ihre Interessen zu vertreten? Geben sie zu oft nach, nur um der scheinbaren Harmonie willen? Das sollten und können Sie ändern. Lernen Sie auf faire, sympathische Weise mehr für sich zu erreichen – und dennoch Respekt für die Wünsche anderer zu zeigen. Am besten, Sie fangen gleich damit an

IHRE CHANCE

Der Kollege klammert sich ans Altvertraute, Sie möchten endlich frischen Wind ins Büro bringen. Sie wollen Urlaub an exotischen Stränden, für Ihren Partner ist das undenkbar. Er leidet unter Flugangst und schlägt immer wieder die Ostsee vor.

Zwei Beispiele, die zeigen: Immer wieder kollidieren unterschiedliche Bedürfnisse, beruflich oder privat. Und weil es oft unmöglich scheint, eine Lösung zu finden, gibt einer schließlich nach. Speziell Frauen neigen dazu, ihre Wünsche zurückzustellen, aus übertriebenen Harmoniebedürfnis oder weil sie sich selber nicht wichtig genug nehmen.

Bis sie eines Tages völlig unzufrieden sind. So weit braucht es aber nicht zu kommen, denn jeder kann lernen, sich fair und freundlich durchzusetzen. Wie, verrät Autorin Tanja Baum (siehe Buchtipp). Ihre Strategie:

Schwarz-Weiß-Denken stoppen: Nie auf stur schalten! Es gibt kein „richtig oder falsch“, es gibt nur unterschiedliche Wünsche. Streben Sie eine kooperative Lösung an, auch wenn es aussieht, als seien Sie meilenweit voreinander entfernt. Das Ziel lautet, beide Seiten sollen am Ende zufrieden sein. Das heißt: Suchen Sie nach einer Win-Win-Lösung.

Dabei können beide Seiten zwar nicht sämtliche, aber einige wich-tige Punkte durchsetzen. So fühlt sich keiner über den Tisch gezogen. Jeder gewinnt, wenn es nicht darum geht, den anderen zu besiegen, sondern das Problem gemeinsam zu lösen. Dazu braucht man Zeit. Also: Keine Gespräche zwischen Tür und Angel! Gewähren Sei sich und anderen Zeit zum Denken. Besser, alle können sich auf das Gespräch vorbereiten. Schreiben Sie detailliert auf, worum es Ihnen geht.

Definieren Sie Ihr Ziel: Um beim Beispiel „Urlaubziel Ostsee oder Südsee“ zu bleiben – belassen Sie es nicht bei „Ich möchte nach Hawaii fliegen“. Sondern klären Sie wann, wie lange, welche Route. Zusätzlich entwickeln Sie alternative Ziele: Das gewährt allen Seiten mehr Spielraum. Auch in Europa gibt es schöne Strände. Die mit dem Auto zu erreichen wären.

Weiteres Beispiel aus dem Berufsleben: Sie wollen mehr Geld, der Chef lehnt ab. Auch hier hilft Verhandlungsspielraum. Vielleicht kommt eine zeitlich gestaffelte Erhöhung für Sie in Frage oder zwei Urlaubstage mehr. Oder Sie bieten an, für den Zuschlag noch eine zusätzliche Aufgabe zu übernehmen. Nutzen Sie das Win-Win-Prinzip. Sagen Sie Ihrem Chef, was er gewinnt, wenn Sie mehr verdienen – eine hochmotivierte Mitarbeiterin.

Denken Sie langfristig: Oft kann ein Nachgeben in einer Sache einen Vorteil in einer anderen Sache erbringen. Überlassen Sie Ihrem Kollegen diesmal die Leitung des Projekts. Nächstes mal sind Sie dann dran. Das Wichtigste: Bleiben Sie fair! Und wenn Sie unfair behandelt werden, unterbrechen Sie das Gespräch. Fordern Sie, wieder auf die Sachebene zu wechseln. Und fragen Sie: „ Was können wir aus Ihrer Sicht tun, um zum Ergebnis zu kommen?“

Buchtipp: „Die Kunst, sich freundlich durchzusetzen. Verbindlich sein und beliebt bleiben in Beruf und Alltag“, Tanja Baum, 19,90 Euro, Redline bei Ueberreuther.

Ob es um die Gehaltsverhandlung beim Chef geht, um Absprachen am Arbeitsplatz oder in der Familie: Tanja Baum, Leiterin der „Agentur für Freundlichkeit“ in Köln, präsentiert eine Fülle praxisnaher, kluger Verhandlungsstrategien.

Frauke Döhring