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Bitte recht freundlich
Betriebe, in denen das Arbeitsklima stimmt, meistern schwierige Zeiten besser, weiß Unternehmensberaterin Tanja Baum Köln. Eigentlich weiß es jeder: Ein Lächeln am Morgen kann einem den ganzen Tag versüßen. Das Leben ist hart genug, also bitte recht freundlich. Eine, die anderen beibringt, wie so etwas im Arbeitsleben geht, ist Tanja Baum. Sie ist Chefin der Kölner „Agentur für Freundlichkeit” – eine deutschlandweit wohl einmalige Unternehmensberatung. Denn die Firmen, die die 40-Jährige um Hilfe bitten, erwarten von ihr keine Einsparkonzepte, sondern ein Training in Sachen Zwischenmenschliches. Tanja Baum ist davon überzeugt, dass Unternehmen, die sich das Prinzip Freundlichkeit auf die Fahnen schreiben, besser durch wirtschaftliche Krisenzeiten kommen. Auf ihrer Kundenliste standen bereits Automobil- und Energieriesen wie DaimlerChrysler und die Deutsche BP, aber auch Krankenhäuser, Städte und Seniorenheime. „Mobbing und Burnout nehmen immer mehr zu” Als sich die Sozialwissenschaftlerin vor zehn Jahren mit ihrer „Agentur” selbstständig machte, war die „Servicewüste Deutschland” ein bundesweit diskutiertes Thema und bei etlichen Firmen auch Realität. „Machen Sie mir mal die Verkäuferinnen freundlich”, lauteten Aufträge etwa aus dem Einzelhandel an die Kölnerin. „So etwas gibt es heute nicht mehr. Deutschland hat beim Service enorm aufgeholt. Darüber, dass man mit Kunden freundlich umgehen sollte, lacht niemand mehr”, so Baum. Heute wird sie und ihr sechsköpfiges Team in der Regel von Unternehmen engagiert, die sich vor oder bereits in der Krise befinden. In wirtschaftlich schwierigen Zeiten, mit Auftragseinbrüchen, Kurzarbeit und Entlassungen, bleibt die Freundlichkeit häufig nicht nur innerhalb von Belegschaften, sondern auch im Umgang mit den Kunden auf der Strecke. „Mobbing und Burnout nehmen immer mehr zu”, beobachtet die Beraterin. Eine Entwicklung, vor der sie nur warnen kann. „Denn ein Betrieb, in dem das Recht des Stärkeren und nicht des Intelligenteren regiert, ist innerlich tot. In einem solchen Umfeld gewinnen auch die Chefs oft nicht mehr.” Wer ein Freundlichkeits-Training bei Baum bucht, will die Notbremse ziehen. Führungskräfte möchten an eigenen Schwächen arbeiten oder ihre Teams wieder teamfähig machen, weil sie merken, „dass die nicht mehr tun, was sie tun sollten”, dass ständiger Zwist, Grabenkämpfe oder ein „Ausbrennen” der Mitarbeiter allen und nicht zuletzt dem Geschäft schaden. Dahinter steht die Erkenntnis: So wie gute Stimmung ansteckt ist es umgekehrt mit schlechter. In ihren Schulungen weckt die Agentur-Chefin das Bewusstsein dafür, dass ein gutes Arbeitsklima kein Zufall, sondern das Ergebnis ständiger Arbeit ist. Baums Tipp: „Ein Unternehmen sollte nicht nur alle zehn Jahre, sondern jährlich über sein Tun nachdenken. Und dabei darf alles auf den Prüfstand.” Gute Stimmung steckt an, schlechte auch Die Expertin gibt ein Beispiel: „Ein technischer Geschäftsführer einer großen Firma ist fachlich exzellent, aber ein völlig introvertierter Mensch. Die Mitarbeiter halten ihn für arrogant, was er nicht ist. Er hat für Zwischenmenschliches nur überhaupt keine Antenne. Und als er das schließlich erkannt hat, hat er sich hierfür jemanden in den Betrieb geholt.” Tanja Baum ist eine Mutmacherin, eine, die betont, dass schwierige Zeiten auch Chancen bieten. „Die meisten Deutschen sind in Klein- und Mittelbetrieben beschäftigt, in denen der Chef noch mitarbeitet. Krisen können hier das Gefühl erzeugen: Wir müssen zusammenrücken, an einem Strang ziehen, um zu überleben.” Ein Vorteil gegenüber sogenannten „Global Playern”, wie sie meint. Denn in international aufgestellten Konzernen stelle sich so ein positives Klima leider häufig nicht ein. „Wenn der Deutschland-Chef eines Unternehmens seine Leute nicht schützen kann, weil er von dem Europa-Chef abhängig ist und der wiederum von jemandem darüber, dann fühlen Mitarbeiter sich ausgeliefert.” Wenn diese dann noch erlebten, dass trotz guter Umsätze Personal abgebaut werde, „weil Aktionärswünsche finanziell befriedigt werden sollen”, empfänden Menschen ihre Arbeitswelt als nicht mehr berechenbar. „Das führt zu Werteverlusten in Firmen und bei dem Einzelnen zu einem Gefühl von Sinnlosigkeit.” In ihren Beratungen betont Baum, dass für ein freundliches Arbeitsklima nicht nur die Chefetage zuständig ist. „Jeder Einzelne ist dafür verantwortlich. Man muss Druck zum Beispiel nicht schreiend zurückgeben. Das kann man lernen.” Die 40-Jährige verweist auf Kliniken und Altenheime. „Was den Leuten dort an Arbeitsbelastung zugemutet wird, grenzt häufig an Körperverletzung. Aber auch hier bringt es nichts, das immer wieder nur zu bejammern.” Die Probleme offen ansprechen Angestellte unter Stress ermuntert die Kölnerin, Probleme offen anzusprechen. „Sonst macht der Frust auf Dauer krank.” Auch mal „ein Fass aufzumachen”, falle jedoch vielen – Mitarbeitern wie Chefs – nicht leicht, weiß die Unternehmensberaterin. „Da hat man die Sorge, dass sich ein Kollege rächen könnte, dass eine Situation eskaliert, dass man nicht die richtigen Worte findet oder falsch verstanden wird.” Nur sei Schweigen keine Alternative. „Denn unter dem Deckel gärt es kräftig weiter. Und das schadet jedem Betrieb.” (Jutta Bublies) |
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