Agentur für Freundlichkeit | Tanja Baum GmbH
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"Den cholerischen Chef umpolen"

Kölnische Rundschau, 12. Februar 2008, Nr. 36


Arbeitswelt im Umbruch: Tanja Baum erklärt „professionelle Freundlichkeit“


In Deutschland ändert sich die Arbeitswelt rasant. Gefordert wird oft, immer mehr Gewinn zu erwirtschaften und das mit immer weniger Personal. So mancher Arbeitgeber fordert totale zeitliche und räumliche Flexibilität ein. Doch was tun, wenn dies nicht jeder erfüllen kann und in den Unternehmen der Frust immer größer wird, Effektivität und Gewinne deshalb schwinden? Tanja Baum weiß in solchen Fällen Rat. Die Sozialwissenschaftlerin ist Betreiberin der Kölner „Agentur für Freundlichkeit“ und hat sich damit auf ein Geschäftsfeld konzentriert, das wohl jede Branche etwas angeht.

„Nur wer sich gut fühlt, arbeitet gut.“

„Vor zehn Jahren hätte ich mir nicht vorstellen können, das ein solcher Wandel in Deutschland eintritt. Jede Führungskraft weiß eigentlich, wie wichtig Gespräche mit den Mitarbeitern sind. Allein: Es fehlt die Zeit für das wichtige Miteinander am Arbeitsplatz“, weiß Baum. Für sie ist klar: „Durch negative Gefühle darf man weder abstumpfen, noch darf man sie schlucken. Davon wird man krank.“ Ihre Agentur bringt Mitarbeitern und ihren Führungskräften deshalb bei, wie sie sinnvoll mit negativer Energie untereinander oder durch ihre Kunden umgehen. Denn: „Nur wer sich gut fühlt, arbeitet gut.“ Bis dieses Ziel erreicht ist, ist es aber oft ein langer Weg, der Problemanalysen, Einzelgespräche und Seminare erfordert.

Die Probleme sind vielfältig. „Es gibt den cholerischen Chef, der seine Mitarbeiter ängstigt und aus Kontrollzwang nicht delegieren kann. Oder den Mitarbeiter, der seit 40 Jahren dabei ist und für Änderungen nicht offen ist. Und denjenigen, der ständig Angst vor dem Verlust des Jobs hat“, weiß Baum. Damit die Kommunikation untereinander wieder hergestellt wird, werden die Probleme zuerst aufgezeigt, Lösungsmöglichkeiten erarbeitet und immer wieder die Fortschritte überprüft. „Oft wird ein Unternehmen bis zu zwei Jahre lang begleitet.“

Ob in Altenheimen oder Callcentern - die Probleme gleichen sich in vielen Branchen. „In Deutschland herrscht eben eine andere Kultur, als etwa in den USA. Hier haben die Angestellten nicht das große Streben nach permanenter Veränderung. Sie brauchen Sicherheit“, hat Baum beobachtet. Ihnen eine Mentalität aufzuzwingen, wonach sie ständig flexibel und verfügbar sein müssen, so die 40-Jährige, schaffe Probleme.

Dass die Sozialwissenschaftlerin 1995 die Agentur gründete und heute sechs Coaches beschäftigt, lag übrigens an einem ganz eigenen Erlebnis negativer Energie einer damaligen Chefin. Anfang der 90er Jahre arbeitete Baum als Hostess bei einem Fernsehsender und war für die Betreuung der Studiogäste zuständig. „Das Problem war, dass die Moderatorin unglaublich viel Stress verursacht hat. Sie schrie die Gäste an und einmal sperrte sie sogar Journalisten in einen Raum ein.“ Da habe sie verstanden, dass es „professioneller Freundlichkeit“ bedarf, um die negative Energie auszuhalten und damit die Show am Laufen zu halten. „Aber immer freundlich sein - das kann eben nicht jeder. Aber man kann es lernen“, weiß Baum heute.

(VON LARS HERING)